Zurück
Episode
 
5
39 min

Lotte Schmidt, Director Strategy Consulting bei SAIM

Wie Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie wirklich umsetzen

Lotte Schmidt, Director Strategy Consulting bei SAIM

Von Wesentlichkeitsanalyse und Datenmanagement hin zu klaren Governance-Strukturen in der operativen Umsetzung

In dieser Episode von "Talking Proof" spricht Lukas Vogt mit Lotte Schmidt, Director Strategy Consulting bei SAIM darüber, wie Unternehmen eine erfolgreiche ESG-Strategie aufsetzen. Es geht auch darum, welche Schlüsselpersonen im Unternehmen mit einbezogen werden müssen und welche Rolle ein effizientes Datenmanagement spielen, damit Nachhaltigkeit nicht nur ein Projekt bleibt, sondern Teil der Unternehmenssteuerung wird.

Kurz & knapp - darum geht’s in dieser Folge

Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen kein neues Thema mehr – aber die Umsetzung bleibt herausfordernd.

Gemeinsam diskutieren Lukas und Lotte:

  • warum Nachhaltigkeit nicht als isoliertes Projekt funktionieren kann
  • wie sich der Fokus von CSR hin zu integrierter Unternehmensstrategie verschoben hat
  • welche Rolle Daten, Reporting und Ratings heute spielen
  • warum viele Unternehmen zwar Daten sammeln, aber oftmals keine Entscheidungen daraus ableiten

Am Ende finden Sie außerdem:

👉 Fünf konkrete Dinge, die Unternehmen jetzt tun können, um eine ESG-Strategie korrekt auf- & umzusetzen.

Der gesamte Podcast zum Nachlesen

Lukas: Hallo Lotte, willkommen bei Talking Proof.

Lotte: Hallo Lukas, grüß dich.

Lukas: Erzähl doch mal: Wer bist du und was machst du?

Lotte: Ich bin Lotte und Director Strategy Consulting bei SAIM – der Nachhaltigkeitsberatung von Utopia. Wir sind seit fast 20 Jahren am Markt und unterstützen Unternehmen in den Bereichen Strategie und Kommunikation rund um Nachhaltigkeit.

Ich verantworte den Strategiebereich. Dazu gehören Themen wie Nachhaltigkeitsstrategien, Lieferketten, Klima, aber auch Reporting – also alles rund um CSRD, VSME und ähnliche Anforderungen.

Lukas: Was sind typische Projekte bei euch?

Lotte: Das ist sehr unterschiedlich. Auf der Kommunikationsseite kann es zum Beispiel um die komplette Markenpositionierung gehen: Wie integriere ich Nachhaltigkeit glaubwürdig in meine Marke? Dabei starten wir immer mit der Frage: Wer bist du als Unternehmen? Was ist dein USP? Welche Zielgruppen willst du erreichen? Und wie passt Nachhaltigkeit dazu?Das kann sehr tief gehen – bis hin zu neuen Produktlinien, Namensgebung oder großen Kampagnen. Ein Beispiel ist die Transformation von Marken im Lebensmittelbereich, die ihr Sortiment komplett umgestellt haben.

Auf der Strategieseite geht es oft darum, überhaupt erst einen Einstieg zu finden: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Was macht der Wettbewerb?Dann folgen Ziele, Maßnahmen und Kennzahlen – bis hin zur Umsetzung. Und am Ende kommt alles zusammen: Ohne strategische Basis kann man nichts glaubwürdig kommunizieren.

Lukas: Wie bist du eigentlich zum Thema Nachhaltigkeit gekommen?

Lotte:Ursprünglich gar nicht direkt. Ich habe Supply Chain und Logistik studiert und war von Anfang an in der Strategieberatung.

Über Lieferketten bin ich dann tiefer ins Thema eingestiegen. Man sieht dort sehr deutlich, wie komplex und global Wertschöpfung ist – und auch, welche Auswirkungen sie hat.Ein prägendes Projekt war für mich um 2019/2020, als es um Lithium-Ionen-Batterien ging. Da kamen Themen wie Kobalt aus Afrika und Menschenrechte auf. Da wurde klar: Nachhaltigkeit wird ein zentrales Thema.

Lukas: Aktuell wirkt es ja so, als würde Nachhaltigkeit wieder stärker aus Compliance-Gründen getrieben werden. Wie siehst du das?

Lotte: Das stimmt teilweise. Aber eigentlich sollte Nachhaltigkeit aus Innovation und Weiterentwicklung entstehen – nicht nur aus Regulierung.

Die Perspektive macht einen großen Unterschied: Kommt Nachhaltigkeit aus dem Business heraus, aus Überzeugung – oder nur aus Pflicht? Gerade bei Lieferketten sieht man das gut. Früher ging es um Kosten und Effizienz, heute kommen Emissionen dazu.Aber im Kern ist es dasselbe Prinzip – nur erweitert.

Lukas: Lass uns über Nachhaltigkeitsstrategie sprechen. Was hat sich verändert?

Lotte: Die Grundidee ist gleich geblieben: zu definieren, was einem wichtig ist und wo man hinwill.Was sich verändert hat, ist die Integration. Früher war Nachhaltigkeit oft ein Nebenthema – Stichwort CSR. Heute ist es Teil der Unternehmensstrategie.Die Unternehmen, die es gut machen, nutzen Nachhaltigkeit für Innovation, neue Produkte und Märkte.

Lukas: Und wie sieht es organisatorisch aus?

Lotte: Nachhaltigkeit muss in die Organisation integriert sein.

Beispiel Textilindustrie:

  • Einkauf muss nachhaltige Materialien berücksichtigen
  • Produktion muss Alternativen kennen
  • Vertrieb muss wissen, was verkauft wird
  • Controlling und HR liefern Daten

Man braucht entweder ein großes Team oder ein kleines Kernteam mit starken Schnittstellen in die Organisation. Und ganz entscheidend: Management Commitment. Ohne das funktioniert nichts.

Lukas: Wie entwickelt sich das Thema Expertise?

Lotte: Es braucht weiterhin Expert*innen, die tief im Thema sind. Andere Abteilungen müssen nicht jeden Standard verstehen – aber sie müssen wissen, welche Daten gebraucht werden und warum. Gerade im Reporting werden Controlling und Finance immer wichtiger, weil sie Daten interpretieren und validieren müssen.

Lukas: Wie siehst du das Thema Daten und Umsetzung?

Lotte: Der Unterschied liegt darin, ob Unternehmen wissen, wofür sie Daten sammeln. Wenn ich klare Ziele habe, kann ich daraus Maßnahmen ableiten. Wenn ich einfach Daten sammele, entsteht Chaos – ohne Mehrwert.

Lukas: Und was verändert KI?

Lotte: Viele Dinge werden einfacher! Aber der entscheidende Punkt bleibt: Was mache ich mit den Ergebnissen?Genau hier braucht es weiterhin Expertise – um Maßnahmen abzuleiten und strategisch weiterzugehen.

Lukas: Welche Themen sind aktuell besonders relevant?

Lotte: Zum einen gewinnen Ratings wieder an Bedeutung – auch für den Finanzmarkt.Zum anderen stehen viele Unternehmen wieder an einem grundlegenden Punkt: Was wollen wir eigentlich kommunizieren?

Die Antwort sollte immer strategisch sein:

  • Wo stehe ich?
  • Wo will ich hin?
  • Was sind meine wichtigsten Themen?

Lukas: Was sind deine wichtigsten Learnings aus Strategieprojekten?

Lotte: Ein zentraler Ansatz ist die doppelte Wesentlichkeit:

  • Wo habe ich Auswirkungen?
  • Wo habe ich Risiken und Chancen?

Am Ende geht es darum, wenige zentrale Themen zu identifizieren – oft 5 bis 10.Wenn das Management erkennt, dass Nachhaltigkeit direkt mit dem Kerngeschäft verknüpft ist, entsteht Momentum.Dann wird klar: Es geht nicht um ein Zusatzthema, sondern um Zukunftsfähigkeit.

Lukas: Und wie geht man mit bestehenden Analysen um?

Lotte: Nicht neu erfinden – sondern reduzieren.Viele Unternehmen haben riesige Themenlisten erstellt. Der Schlüssel ist, diese auf die wirklich relevanten Themen zu verdichten. Wenn man von 100 Themen auf 5–10 kommt, wird es plötzlich handlungsfähig.

Lukas: Vielen Dank, Lotte. Hat Spaß gemacht.

Lotte: Danke dir, ich habe mich sehr gefreut.

Fünf konkrete Dinge, die Unternehmen jetzt tun können.

  1. Integration schlägt Insellösungen: Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn sie Teil der Unternehmensstrategie ist – nicht als separates Projekt.
  2. Weniger ist mehr: Erfolgreiche Unternehmen fokussieren sich auf wenige, wirklich relevante Themen statt auf zu lange Maßnahmenlisten.
  3. Daten brauchen Kontext: Kennzahlen allein bringen nichts – entscheidend ist, wie sie interpretiert und genutzt werden.
  4. Ohne Management Commitment keine Wirkung: Nachhaltigkeit braucht klare Priorisierung von oben, sonst wird es bei der Umsetzung haken.
  5. Expertise bleibt entscheidend – trotz KI: Software kann unterstützen, vor allem, wenn sie KI-basiert ist. Aber der Mensch bleibt entscheidend.

Schluss mit Chaos. Einfach nachweisen.

Ihr nächster Kundenfragebogen, Rating oder Audit muss kein "Feuerwehreinsatz" mehr sein. Setzen Sie auf Sunhat´s Collaborative Proof Platform.