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Episode
 
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44 min

EcoVadis Expertin Judith Ruppert-Zoltowski

EcoVadis in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln

EcoVadis Expertin Judith Ruppert-Zoltowski

Wie können Unternehmen EcoVadis nutzen, um sich im Wettbewerb zu differenzieren - und was steckt wirklich hinter einer guten Bewertung?

In dieser Episode vom Podcast “Talking Proof” spricht CEO & Co-Gründer von Sunhat Lukas Vogt mit Judith Ruppert-Zoltowski, Gründerin der Nachhaltigkeitsberatung Kemi Limited und erfahrene EcoVadis-Expertin, über Chancen, Stolpersteine und strategische Ansätze rund um Nachhaltigkeitsratings. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeit, teilt Judith Einblicke und beleuchtet häufige Fehler. Gemeinsam beleuchten sie, wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsleistung glaubwürdig kontinuierlich verbessern können - und EcoVadis als echten Hebel für Veränderung nutzen können.

Talking Proof EcoVadis

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Kurz & knapp - darum geht’s in dieser Folge

EcoVadis ist für viele Unternehmen Pflicht, für manche Frust - und leider nur für wenige ein echter Hebel für Veränderung. Wir besprechen:

  • warum EcoVadis sich oftmals wie ein Strategiespiel anfĂĽhlt
  • welche Fehler Unternehmen immer wieder machen
  • warum 60–70 % der benötigten Inhalte meist schon existieren
  • und wie Unternehmen von „Punkte sammeln“ zu echtem Impact kommen

Am Ende findest du auĂźerdem:

Drei konkrete Dinge, die Unternehmen jetzt tun können, um EcoVadis nicht nur zu „bestehen“, sondern strategisch zu nutzen.

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Der gesamte Podcast zum Nachlesen

Lukas: Hallo Judith. Ich freue mich sehr, dich bei Talking Proof zu begrĂĽĂźen. Danke, dass du da bist.

Judith: Danke fĂĽr die Einladung, ich freue mich sehr.

Lukas: Du bist seit rund 15 Jahren im Nachhaltigkeitsbereich unterwegs, hast viele Unternehmen und Industrien gesehen. Erzähl doch mal kurz: Wer bist du und was hast du gemacht?

Judith: Ich bin Judith. Ich wurde früher für verrückt erklärt, weil ich Umweltmanagement studiert habe - nicht BWL, nicht Jura, nicht Medizin, sondern angeblich „brotlose Kunst“. Ich habe vor 15 Jahren bei einer Umweltberatung angefangen und mich drei Jahre später selbstständig gemacht als Nachhaltigkeitsberaterin. Am Anfang habe ich vor allem CO₂-Fußabdrücke berechnet und Zertifikate verkauft - damals war Nachhaltigkeit fast gleichbedeutend mit CO₂. Später kam das Thema Berichterstattung dazu, und 2017 bin ich bei EcoVadis gelandet. Seitdem ist EcoVadis mein tägliches Brot.

Lukas: Nicht alle kennen EcoVadis im Detail. Du arbeitest ja auf der Seite der Unternehmen, die bewertet werden. Kannst du das kurz erklären?

Judith: EcoVadis ist ein Nachhaltigkeitsrating. Unternehmen bekommen von ihren Kunden einen Fragebogen zugeschickt - oft mit der klaren Botschaft: Wenn ihr das nicht beantwortet, fliegt ihr raus. Man füllt den Fragebogen aus, bekommt einen Score und im besten Fall eine gute Medaille. Ich helfe Unternehmen dabei, diesen Fragebogen gut auszufüllen und ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen.

Lukas: Warum brauchen Unternehmen dafĂĽr Hilfe?

Judith: Aus ganz unterschiedlichen Gründen: weil sie es zum ersten Mal machen, weil sich der Score seit Jahren nicht verbessert oder weil der Druck von Kundenseite extrem hoch ist. EcoVadis ist ein bisschen wie ein Strategiespiel ohne richtige Anleitung. Die Methodik ist zwar öffentlich, aber kaum jemand hat Zeit, sich tief einzuarbeiten. Genau da komme ich ins Spiel.

Lukas: Aus unserer Erfahrung ist der Wettbewerbs- und Scoring-Gedanke ein riesiger Treiber. Sobald Unternehmen anfangen mitzuspielen, wollen sie auch gut abschneiden. Was sind aus deiner Sicht die größten Fehler, die Unternehmen machen?

Judith: Ganz klar: Zeitdruck. Viele wissen nicht, dass man die Frist verlängern kann, und reichen dann unter Stress irgendwas ein. Ein weiterer Fehler: Fachabteilungen nicht einzubinden. Nachhaltigkeit wird oft an eine Person delegiert - dabei müssen Einkauf, HR, Compliance, HSE usw. mit am Tisch sitzen. Und dann natürlich: fehlendes Budget. Wenn das Management ein gutes Ergebnis will, aber kein Geld bereitstellt, wird es schwierig.

Lukas: Warum ist es so schwer, Fachabteilungen einzubinden?

Judith: Zeit und Priorität. Mein Workshop dauert drei Stunden - und manchmal bekomme ich nicht mal alle Leute dafür zusammen. Am besten läuft es, wenn alle alles hören. Dann merken sie plötzlich: Oh, ihr habt dafür schon ein Dokument? Das brauchen wir auch! Da passiert das eigentliche Lernen im Unternehmen.

Lukas: Wäre mehr Zeit immer besser?

Judith: Nein. Ich hatte mal ein Projekt ĂĽber acht Monate - das ist eingeschlafen. Der optimale Zeitraum liegt fĂĽr mich bei vier bis fĂĽnf Monaten: genug Zeit fĂĽr Umsetzung, aber auch genug Druck, damit wirklich etwas passiert.

Lukas: Gab es Projekte, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Judith: Ja, zum Beispiel eine kleine Firma in Sumatra, die für einen großen Reifenhersteller bewertet wurde. Sie hatten kaum Strukturen, aber riesige Motivation. Sie haben das als Chance gesehen, sich zu professionalisieren - und sich am Ende unfassbar über das Ergebnis gefreut. Oder ein Unternehmen, das aus der EcoVadis-Logik ein neues Geschäftsmodell entwickelt hat - gezielt zur Förderung nachhaltigen Konsums.

Lukas: Stimmt es, wenn man sagt, dass oftmals 60–70 % der Dokumente meist schon da sind?

Judith: Ja. Sie heißen oft nur anders oder liegen irgendwo versteckt. Ein Klassiker: EcoVadis fragt nach einem Employee Handbook - das Unternehmen sagt: „Haben wir nicht.“ Und dann stellt sich raus: Es heißt einfach „Unternehmensleitfaden“.

Lukas: Und wovor haben CEOs am meisten Angst?

Judith: Vor Policies. Weil Ziele verbindlich werden. Wenn du reinschreibst, dass du bis 2028 den Abfall um 15 % reduzierst, musst du das auch tun. Aber genau das ist ja der Sinn.

Lukas: Wie unterscheidet sich EcoVadis von klassischen Managementsystemen wie ISO?

Judith: EcoVadis ist keine Zertifizierung, sondern ein Rating. Aber die Logik ist sehr ähnlich: Policies, Maßnahmen, Ziele, Reporting. Wenn es einen Standard gäbe, der einem Nachhaltigkeitsmanagementsystem am nächsten kommt, wäre es EcoVadis.

Lukas: Wo strugglen Unternehmen am meisten?

Judith: Beim Nachhaltigkeitsbericht. Am Anfang sind alle überwältigt. Aber sobald das Grundgerüst steht, wird es leichter. Was jetzt noch fehlt, ist der nächste Schritt: Weg vom reinen Managementsystem hin zur echten Impact-Messung.

Lukas: Wenn man Compliance und Kundendruck mal ausblendet - was wĂĽrdest du Unternehmen empfehlen?

Judith: Sich selbst zu hinterfragen. Was ist unser Mehrwert - nicht nur finanziell? Wie kommen wir von „Schaden vermeiden“ zu „positiven Beitrag leisten“? Das ist der nächste Schritt.

Lukas: Vielen Dank, für das Gespräch liebe Judith!

Judit: Danke dir, hat SpaĂź gemacht.

Drei Dinge, die Unternehmen jetzt tun können

EcoVadis nicht im Zeitdruck starten: Viele Unternehmen machen sich das Leben unnötig schwer, weil sie unter hohem Druck einreichen. Empfehlung: Frühzeitig planen (4–5 Monate), Meilensteine setzen und den Prozess als Projekt aufsetzen - nicht als Feuerwehrübung.

Nachhaltigkeit aus dem Silo holen: EcoVadis ist kein One-Person-Job. Einkauf, HR, Compliance, HSE und Qualität liefern entscheidende Inhalte. Empfehlung: Alle relevanten Fachabteilungen gemeinsam an einen Tisch holen. Ein gemeinsames Kick-off spart später Zeit, Diskussionen und doppelte Arbeit.

Vorhandenes sichtbar machen - bevor Neues geschaffen wird: 60–70 % der geforderten Dokumente existieren meist bereits, heißen nur anders oder liegen „irgendwo“. Empfehlung: Erst systematisch sammeln und übersetzen, was schon da ist (Policies, Leitfäden, Prozesse), bevor neue Dokumente geschrieben werden.

Schluss mit Chaos. Einfach nachweisen.

Ihr nächster Kundenfragebogen, Rating oder Audit muss kein "Feuerwehreinsatz" mehr sein. Setzen Sie auf Sunhat´s Collaborative Proof Platform.